Gesichter bemalen – Eine Geschichte über Zebras, Kürbisse und Spiderman
Im Juli/August 2026 durfte ich Julia und ihre Familie bei ihrer Reise nach Oshakati begleiten. Es war eine spontane Entscheidung. Ich hatte Zeit und ich wollte Julias Projekt näher kennenlernen. So packte ich einen kleinen Koffer für mich und zwei große mit vielen Spenden.
Zurück kam ich mit einem großen Koffer weniger. Die anderen beiden Koffer waren fast leer – ich dafür reich an Erfahrung, beschenkt mit wertvollen Erinnerungen und dankbar für diese drei Wochen.
An einem Nachmittag stand Gesichter bemalen am Programm. Die entzückende Idee kam von Lora und sie fragte mich, ob ich mitmachen möchte. Klar!
Also bauten wir unseren Malkasten in einem Klassenzimmer auf und erwarteten unsere ersten kleinen Gesichter. Ein paar neugierige Mädchen kamen zuerst. Wir ließen sie aus einem kleinen Heft aussuchen, wie sie sich bemalen lassen möchten. Es wurden drei kleine Katzen. Die Mädchen strahlten und wir waren unglaublich stolz, es irgendwie gemeistert zu haben.
Aber Übung macht den Meister und die kleinen Katzen machten Werbung für uns.
Es dauerte nicht lange und wir wurden gestürmt. Wie so oft hörten wir ‚me too‘ – ‚me too‘! Alle wollten sich bemalen lassen. Sich in einer Schlange anstellen ist nicht ihre große Stärke und wie es vor der Tür gemanagt wurde, weiß ich nicht. Wir malten jedenfalls ohne Pause und wurden immer besser. Bald gesellte sich Paola zu uns und das war auch wirklich notwendig. Wir hätten den Ansturm zu zweit nicht geschafft. Über 3 Stunden bemalten wir in 5-10 Minuten Intervallen gefühlt 100 Gesichter. Wir wurden nicht müde. Es war so eine Freude!
Ich denke, schon die Tatsache, dass sie gefragt wurden, wie sie sich bemalen lassen möchten, war wirklich etwas Besonderes für diese kleinen Kinder. In ihrem Alltag wird nicht lange gefragt und es gibt wohl selten die Möglichkeit zu wählen. So wählten sie mit Bedacht und strahlten übers ganze Gesicht, als wir fertig waren.
Wir malten Katzen, Schmetterlinge, Zebras, Koalabären, Krokodile und Kürbisse. Auch Luis stieß etwas später zu uns und malte einen stolzen Tiger.
Ich selbst habe mich mit der Zeit zur Spiderman-Spezialistin entwickelt und hatte bald meine eigene Schlange: „You want to be Spiderman? Then you have to wait for Ms Caroline!“ Ich war überrascht, dass Spiderman selbst in der Community dieser kleinen Stadt so bekannt ist.
Es war unglaublich berührend diese Kinder so aufgeregt und doch stillsitzend zu sehen, gespannt, wie die Zeichnungen ihre Gesichter verändern werden. Ich habe jede meiner Zeichnungen fotografiert und den Kindern gezeigt. Sie haben gestrahlt, manchmal auch ganz schüchtern, immer glücklich.
Noch am Abend sahen wir die kleinen Löwen und Kürbisse in der Nähe unseres Hotels lange auf der Straße spielen …
Die Tage mit Julia in Afrika und Oshakati waren wirklich etwas Besonderes, ein Erlebnis, dass ich nie vergessen werde.
Ich bewundere Julia sehr – was sie aufgebaut hat und wie sie es seit 25 Jahren immer weiterentwickelt, nie müde, immer voller Enthusiasmus. In einer kleinen Community in Afrika verändert sie damit das Leben vieler Menschen und gibt Hoffnung, wo Hoffnung nicht unbedingt in die Wiege gelegt wurde.
Danke Julia, dass ich mitfahren durfte und für diese einzigartige Erfahrung.
Caroline

