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Ende 2025 hatte ich die Möglichkeit, zwei Monate im Norden Namibias in eine ganz andere Welt einzutauchen. Ich habe die entzückendsten Menschen kennengelernt – von jung bis alt. Die namibische Kultur mit ihrer Musik, dem Essen und der Kleidung, hat einen ganz anderen Stellenwert als in meinem europäischen Zuhause.

Ich durfte bei MEME Diana wohnen, wo so einiges passiert ist. An meinen ersten Tag kann ich mich noch gut erinnern: Ich saß in der Küche, als plötzlich drei aufgeweckte Kinder hereinkamen. Später erfuhr ich, dass sie Diana, Andreas und Johanna heißen und mir schon bald sehr ans Herz wachsen würden. Nach einer zunächst schüchternen, aber freundlichen Begrüßung fiel mir etwas Besonderes auf: Die zwölfjährige Johanna trug eine typisch afrikanische Trage auf dem Rücken, in der sich der sechs Monate alte Sunday ausruhte. Entzückend – und gleichzeitig ein wenig erschreckend.

Am zweiten Tag gingen wir zum ersten Mal nach Tkoamas in das Center, indem ich auf einmal sehr viele Kinder kennenlernte. Alle noch etwas schüchtern, sahen sie mich mit ihren riesigen braunen Augen an, trauten sich kaum ein Wort zu sagen und spielten weiter mit ihren FreundInnen im Sand. Doch nur wenige Tage später sah alles ganz anders aus: Sobald ich aus dem Auto stieg, kam ein Schwarm vier- bis sechsjähriger Kinder angerannt, nur um meine Hand zu halten.

Reden war nicht immer einfach, da manche von ihnen gerade erst das englische ABC lernten. Doch oft reichte schon die Berührung, um ihre Freude und Dankbarkeit zu spüren. Wenn ich von einem „Schwarm“ von Kindern spreche, darf man das nicht falsch verstehen: Jedes einzelne von ihnen ist auf seine eigene Art besonders. Manche sind erstaunlich gute Mathematiker und lösen Aufgaben in kürzester Zeit. Andere sagen das Alphabet wie aus der Pistole geschossen auf und nennen zusätzlich ein Wort zu jedem Anfangsbuchstaben. Und wieder andere schlagen Räder, machen Handstände und gewinnen jedes Rennen, ohne jemals müde zu werden.

In Tkoamas wird es sowieso nie langweilig. Doch wenn man diese talentierten kleinen Menschen beobachtet, vergisst man leicht, welch schwierige Kindheit sie im Hier und Jetzt durchleben müssen. Keine Eltern. Kein Geld. Kein Essen. Das klingt übertrieben – ist für viele jedoch Alltag.

Ein kleiner Bub namens Tolonga kam beispielsweise jeden Tag angerannt, rief laut „MEME“ (Mama) und wollte in den Arm genommen werden. Herzig oder? Die traurige Wahrheit ist jedoch, dass er von seiner Mutter kurz nach der Geburt ausgesetzt wurde und sich nun nach einer mütterlichen Bezugsperson sehnt. Ein anderer Bub schlief während des Unterrichts im Sitzen ein. Man könnte dieses Verhalten vorschnell als unpassend bezeichnen, doch man weiß nicht, dass er bereits seit fünf Uhr morgens in der Schule ist, weil sein Vater arbeiten muss und er sonst keinen Ort hätte, an dem er betreut wird.

Nachdem man die Schicksale dieser Kinder aus erster Hand erlebt und gleichzeitig ihre Lebensfreude, Energie und ihr Lachen sieht, fühlt man sich tief berührt. Dank Onghalo, Tkomas, MEME Diana und MEME Julia können diese Kinder ihre schweren und oft traumatischen Lebensumstände für einige Stunden beiseitelegen und sich Dingen widmen, die ihnen wirklich Freude bereiten. Für die Kinder in Oshakati bedeutet das nicht nur Spielen mit FreundInnen, sondern auch Lesen, Schreiben und Rechnen. Durch diese Organisationen erhalten viele von ihnen außerdem ihre einzige warme Mahlzeit am Tag.

Es war eine wunderschöne Zeit. Ich habe Eindrücke gesammelt, die ich sonst nie bekommen hätte – und die mich mein Leben lang begleiten werden. Danke!

sacherpauline@gmail.com